Drei Jahrzehnte gewaltfrei für Gerechtigkeit und Frieden
Wann? 24. Juni 2026, 18.30 Uhr
Wo? Im Institut für Europäische Ethnologie, Hanuschgasse 3, 1010 Wien, Seminarraum 2 (4. Stock)
Im Rahmen einer Europatour werden zwei Vertreter*innen der Friedensgemeinde auch nach Wien kommen. Sie werden über ihren gewaltfreien Einsatz gegen Vertreibung, Gewalt und Umweltzerstörung und für ein Leben in Würde, gerechte Landverteilung und Selbstbestimmung berichten.
Martha Irene VASQUEZ RIVERA
Martha ist Mitglied des achtköpfigen Leitungsgremiums der Friedensgemeinde. Sie ist Gründungsmitglied der Gemeinschaft und war viele Jahre als Lehrerin in der alternativen, unabhängigen Schule der Gemeinde tätig.
Germán GRACIANO POSSO
Germán ist der legale Repräsentant der Friedensgemeinde von San José de Apartadó. Germán hat selbst 13 nahe Familienangehörige, darunter seinen Vater, durch den Konflikt verloren. Aufgrund seiner Menschenrechtsarbeit ist er ständigen Bedrohungen ausgesetzt.
Die Friedensgemeinde von San José de Apartadó ist eine kleinbäuerliche Gemeinschaft in Kolumbien, die sich mit aktiver Gewaltfreiheit gegen den Krieg und Umweltzerstörung stellt, indem sie sich weigert, die bewaffneten Akteure im Konflikt zu unterstützen. Trotz mehrfacher Vertreibung, anhaltender Gefahren und Gewalt hat die Gemeinschaft beschlossen in der Region zu bleiben, ihr Land weiterhin zu bebauen und zu entlegenen Weilern zurückzukehren.
Der Versöhnungsbund unterstützt die Friedensgemeinde San José de Apartadó seit 20 Jahren durch die Entsendung von Schutzbegleiter*innen, Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit.
Veranstalter*innen
Internationaler Versöhnungsbund, österreichischer Zweig
FAIHS – Forum for Anti-Colonial Inquiry in the Humanities and Social Sciences / Universität Wien
Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit

Hintergrundinformation
Über die Gemeinde
Die Friedensgemeinde von San José de Apartadó ist eine kleinbäuerliche Gemeinschaft in Kolumbien, die sich mit aktiver Gewaltfreiheit gegen den Krieg und Umweltzerstörung stellt, indem sie sich weigert, die bewaffneten Akteure im Konflikt zu unterstützen. Trotz mehrfacher Vertreibung, anhaltender Gefahren und Gewalt hat die Gemeinschaft beschlossen in der Region zu bleiben, ihr Land weiterhin zu bebauen und zu entlegenen Weilern zurückzukehren.
Die Friedensgemeinde liegt im Norden Kolumbiens, in einem fruchtbaren Gebiet in der Nähe des Golfs von Urabá, einem Knotenpunkt für den Waffen- und Drogenhandel zwischen Kolumbien, Südamerika und dem Rest der Welt über Mittelamerika, die Karibik oder den Pazifik. Die Region ist ein hoch militarisiertes Gebiet mit einer starken Präsenz legaler und illegaler bewaffneter Akteure und großen wirtschaftlichen Interessen, inklusive zwei geplanter bzw. gebauter Hochseehäfen für Containerschiffe.
Seit ihrer Gründung vor 29 Jahren ist die Gemeinschaft mit Gewalt und Massakern vonseiten aller bewaffneten Akteure konfrontiert, wie der (nun demobilisierten) FARC-Guerilla, der kolumbianischen Armee sowie den von der Armee unterstützten paramilitärischen Gruppen. Gegenwärtig ist die Existenz der Friedensgemeinde und ihr Bestehen auf ihr Recht auf Land ein Haupthindernis für die Ausdehnung extraktivistischer Megaprojekte und bewaffneter Akteure in der nordkolumbianischen Region.
Die Gründung und Fortführung der Friedensgemeinde basiert auf Prinzipien des Humanitären Völkerrechts, auf einer basisdemokratischen Organisation und einer solidarischen Ökonomie. Daher sind Vollversammlungen das Herzstück der kollektiven Entscheidungsprozesse der Friedensgemeinde. Mit gemeinschaftlichen Arbeitstagen und Arbeiten, die in der Regel in Gruppen erledigt werden, hat die Gemeinschaft einen erstaunlich hohen Grad an Autarkie erreicht. Sie baut ihre eigenen Nahrungsmittel an, schützt ihre Wälder und verkauft Bio-Kakao.
Schutzmaßnahmen des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte, internationale Begleitung, ein nationales sowie ein engmaschiges internationales Solidaritätsnetz sind ebenfalls Teil ihrer Schutzstrategie. Wir freuen uns, dass mit Martha Vasquez und Germán Graciano wieder zwei Mitglieder der Friedensgemeinde vom 21. – 27. Juni 2026 nach Österreich kommen. Wir erwarten spannende Gespräche über die aktuelle Menschenrechts- und Landrechtssituation, den Stand des Friedensprozesses sowie die Herausforderungen für ein friedliches Zusammenleben in einer hochgradig konfliktiven ländlichen Region Kolumbiens – und was wir daraus lernen können.
Der Versöhnungsbund unterstützt die Friedensgemeinde San José de Apartadó seit 20 Jahren durch die Entsendung von Schutzbegleiter*innen, Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit.









