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Red Juvenil und ACOOC

Red Juvenil – Jugendnetzwerk Medellín

Red Juvenil - Aktion gegen ZwangsrekrutierungDie Aktivitäten des Jugendnetzwerks von Medellín basieren ausdrücklich auf den Prinzipien der aktiven Gewaltfreiheit. Red Juvenil wurde 1990 von jungen Menschen gegründet, die Angehörige oder Freunde durch den bewaffneten Konflikt verloren hatten. Seitdem trainiert das Netzwerk Jugendliche in Gewaltfreiheit und kooperativem Spiel, unterstützen junge Männer, die sich weigern, bei der Polizei, dem Militär oder illegalen bewaffneten Gruppen zu dienen und tritt für die Respektierung der Menschenrechte und die Ideen der Jugend in der kolumbianischen Gesellschaft ein. Eine Kerngruppe von rund 30 jungen Menschen arbeitet im großen Büro- und Versammlungshaus in der Nähe des Zentrums von Medellín und rund 150 junge Menschen sind in verschiedenen Stadtteilen Medellíns organisiert. Weiters sind vielfältige Themengruppen in die Arbeit von Red Juvenil eingebunden.

Die ersten Mitglieder des Netzwerks fanden sich zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Sie wollten das Stigma „Jugend=Gewalt“ durch das Publikmachen ihrer pazifistischen Grundhaltung durchbrechen. Die ersten Aktionen des Netzwerks waren instinktive Antworten auf die Gewalt in der Stadt und beinhalteten Umzüge in den armen Stadtvierteln auf den Hügeln rund um Medellín mit Musik und Theaterstücken, die die Ablehnung von Gewalt zum Ausdruck brachten.

Red Juvenil AktionDie wichtigste Aufgabe des Netzwerks ist es, junge Menschen in ihrer pazifistischen Überzeugung zu bestärken, durch die Zusammenarbeit Angst zu überwinden, für das Leben und die Würde des Menschen einzutreten und all diesen Werten Ausdruck zu verleihen. Exemplarisch dafür steht das Eintreten für Wehrdienstverweigerung.

Zur Seite von Red Juvenil: http://redjuvenil.org/

 

 

Acción Colectiva de Objetores y Objetoras de Conciencia) – ACOOC, Bogotá

 Kollektive Aktion von WehrdienstverweigererInnen

ACOOC StraßenaktionAuf der Basis ihrer Verpflichtung zur Gewaltfreiheit arbeitet ACOOC mit kreativen Mitteln wie Film oder Straßentheater, um den hohen Grad an Militarisierung in der kolumbianischen Gesellschaft aufzuzeigen: Laut Statistik kamen 2002 auf 1.000 EinwohnerInnen 3,8 Soldaten. Heute ist diese Zahl auf 5,5 angestiegen. Im Gegensatz dazu gibt es nur einen Arzt pro 3.780 EinwohnerInnen.

Zudem klärt ACOOC junge Männer über ihre Rechte in Bezug auf Wehrdienstverweigerung auf. Im Falle erzwungener Einberufung eines Wehrdienstverweigerers aktiviert ACOOC ein Netzwerk, um seine Entlassung zu erwirken.

Zur Seite von ACCOC: http://www.objetoresyobjetorasdeconciencia.org/

Wehrdienstverweigerung in Kolumbien

Kolumbien ist das einzige südamerikanische Land, in dem der Militärdienst für 18-jährige Männer für ein oder zwei Jahre verpflichtend ist.

Die Vereinigten Nationen erkennen das Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen seit 1987 als Teil des Rechts auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit an. Obwohl Kolumbien mehrmals durch die Vereinten Nationen ermahnt wurde[1], und das kolumbianische Verfassungs­gericht 2009 das Urteil fällte, dass das Recht auf Wehrdienstverweigerung in der kolumbianischen Verfassung verankert ist, hat die Regierung bislang kein Gesetz erlassen, das  Wehrdienstver­weigerung regelt, z. B. durch einen alternativen zivilen Dienst.

Darüber hinaus verstoßen die Einberufungspraktiken der kolumbianischen Armee oftmals nicht nur gegen kolumbianisches Gesetz, sondern auch gegen die Menschenrechte. Batidas – das Zusammentreiben von jungen Menschen an öffentlichen Plätzen, wie z.B. Bushaltestellen, um zu überprüfen, ob sie sich – wie vom Gesetz vorgeschrieben – zum Militärdienst gemeldet haben, sind weit verbreitet. Jene, die die relevanten Papiere nicht vorweisen können, werden zu den Kasernen gebracht und eingezogen. Diese illegale Praxis wird von den Vereinten Nationen als willkürliche Inhaftierung begriffen.[2] Jugendliche aus unterschiedlichen Regionen Kolumbiens versuchen ihre Rechte zu schützen, wenn sie von der Armee von der Straße weg eingezogen werden, und kämpfen um die Anerkennung als Wehrdienstverweigerer.

Wehrdienstverweigerer sind – da sie nicht über die sogenannte libreta militar (Militärdienstpass) verfügen – weiterer Diskriminierung ausgesetzt: Sie sind vom Universitätsabschluss und vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen. Das Gesetz erlaubt ihnen nicht, ein formales Arbeitsverhältnis einzugehen und sie dürfen kein öffentliches Amt einnehmen.

 


[1]  “The Commission on Human Rights, Bearing in mind that it is recognized in the Universal Declaration of Human Rights and the International Covenant on Civil and Political Rights that everyone has the right to life, liberty and security of person, as well as the right to freedom of thought, conscience and religion and the right not to be discriminated against,

Recalling all its previous resolutions on the subject, in particular resolution 1998/77 of 22 April 1998, in which the Commission recognized the right of everyone to have conscientious objection to military service as a legitimate exercise of the right to freedom of thought, conscience and religion, as laid down in article 18 of the Universal Declaration of Human Rights and article 18 of the International Covenant on Civil and Political Rights and general comment No. 22 (1993) of the Human Rights Committee,….

Calls upon States that have not yet done so to review their current laws and practices in relation to conscientious objection to military service in the light of its resolution 1998/77, taking account of the information contained in the report;…”

Resolution of the Unites Nations Human Rights Committee (E/2004/23(Part I); E/CN.4/2004/127(Part I); 55th meeting; 19 April 2004, 2004/35)

[2] “The Committee notes with satisfaction Constitutional Court ruling C-728 of 2009 exhorting Congress to regulate conscientious objection to military service, which represents progress in the implementation of the Committee’s earlier recommendation of 2004 (CCPR/CO/80/COL, para. 17). However, the Committee is still concerned by the lack of progress on the introduction of the necessary legislative amendments for recognizing conscientious objection and by the use of “round-ups” as a means of checking who has carried out military service (art. 18). The State party should, without delay, adopt legislation recognizing and regulating conscientious objection so as to provide the option of alternative service, without the choice of that option entailing punitive effects, and should review the practice of “round-ups”.

International Covenant on Civil and Political Rights (CCPR/C/COL/CO/6, August, 4 2010)

“During 2010, OHCHR-Colombia observed irregular, and in some cases clearly illegal practices in the military recruitment process; these practices should be discontinued as soon as possible. Rapid development of mechanisms to regulate military service, including conscientious objection, with full respect for human rights, is urged.”

2010 United Nations report on human rights in Colombia

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