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Internationale Begleitung

Internationale Begleitung der Friedensgemeinde

Die Friedenspräsenz in Kolumbien ist ein Programm des Versöhnungsbundes in den USA (Fellowship of Reconciliation – FOR) und des österreichischen Versöhnungsbundes. Seit 2002 entsendet FOR FriedensbegleiterInnen, die die Friedensgemeinde San José de Apartadó rund um die Uhr begleiten, um das Recht der Gemeinde auf Frieden und Gerechtigkeit zu unterstützen.

Zusätzlich zur ganzjährigen Begleitung der Friedensgemeinde eröffnete FOR 2005 ein Büro in Bogotá, um die politische Arbeit zu koordinieren und um andere gewaltfreie Initiativen wie die Kleinbauernvereinigung von Antioquia oder das Jugendnetzwerk von Medellín zu unterstützen.

Der österreichische  Versöhnungsbund entsendet im Rahmen des Programmes seit 2009 einen Freiwilligen/eine Freiwillige für mindestens ein Jahr nach Kolumbien.

Als Teil der politischen Unterstützung hält das Team in Kolumbien regelmäßigen Kontakt mit zivilen und militärischen staatlichen Stellen auf lokaler und nationaler Ebene sowie dem diplomatischen Korps und Regierungsorganisationen.

Im Rahmen des Programms werden Solidaritätsreisen nach Kolumbien und Vortragsreisen organisiert, regelmäßig Artikel in den VB-Friedensnachrichten veröffentlicht sowie Urgent Actions initiiert.

TeambesprechungHausbau in Mulatos

Theorie der internationalen Begleitung

In einer Konfliktzone kann die internationale Präsenz die Risiken der Zivilbevölkerung, die von bewaffneten Akteuren oftmals als Kollaborateure der Gegenseite angesehen und deshalb zum militärischen Ziel wird, deutlich reduzieren. Begleitung personifiziert im wahrsten Sinne des Wortes die internationale Besorgnis bezüglich der Einhaltung der Menschenrechte (s. Liam Mahony und Luis Enrique Eguren: Unarmed Bodyguards). Begleitung ist eine sichtbare und überzeugende Mahnung an gewalttägige Akteure, dass ihre Handlungen ans Tageslicht gebracht werden: Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen werden von den Freiwilligen dokumentiert und rufen eine internationale Reaktion, die die Möglichkeit diplomatischer oder ökonomischer Sanktionen enthält, hervor.

Alle Bemühungen der BegleiterInnen richten sich darauf, Angriffe gegen die Begleiteten zu verhindern. Daher sollten die bewaffneten Akteure und die Zivilbevölkerung im Konfliktgebiet über ihre Anwesenheit und über das unterstützende internationale Netzwerk informiert sein. Die Begleitarbeit ist daher sowohl auf die physische Präsenz als auch auf die diplomatische/politische Begleitarbeit ausgerichtet.

Ziele des Projektes

  • Durch die physische und politische Begleitung wird der Handlungsspielraum der Friedensgemeinde und der  Partnerorganisationen (ACA, Red Juvenil, ACOOC) gestärkt und erweitert, damit sie ihre gewaltfreie Arbeit für Frieden und Menschenrechte durchführen können, ohne bedroht, vertrieben, getötet oder auf andere Weise geschädigt zu werden.
  • In einem Umfeld von direkter, struktureller und kultureller Gewalt, in dem kolumbianische MenschenrechtsverteidigerInnen oftmals unter Stigmatisierung und Verleumdung leiden, unterstreicht und betont die  Begleitarbeit die enorme Bedeutung der Arbeit für Gerechtigkeit und Menschenrechte, da sie der Schlüssel für Frieden in Kolumbien ist.
  • Das Begleitprojekt fördert und erforscht im Sinne des Selbstverständnisses des Versöhnungs­bundes die Gewaltfreiheit in Bezug auf ihre Kraft und ihr Vermögen, Konflikte zu lösen und Gerechtigkeit und die Würde des Menschen herzustellen. Die Bedeutung der gewaltfreien Friedensarbeit soll dadurch betont und die Einführung Ziviler Friedensdienste gefördert werden.
  • Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Menschenrechtssituation in Kolumbien, insbesondere im deutschsprachigen Raum und in den USA.

 

Aufbau des Projektes

Das Programm unterhält ein Büro in Bogotá, in dem das Bogotá-Tema (Projektkoordinator/in und zwei Freiwillige) arbeiten. Ein Team von drei FriedensbegleiterInnen lebt und arbeitet in La Union, dem landwirtschaftlichen Zentrum der Friedensgemeinde.

Das Team in La Union ist durchgehend ganzjährlich anwesend und bietet so einen permanenten Begleitschutz, um die persönliche Sicherheit und Unversehrtheit der Mitglieder der Friedensgemeinde zu verbessern. Die drei Partnerorganisationen – ACA, Red Juvenil und ACOOC – erhalten sporadische physische Begleitung auf Anfrage. Die Freiwilligen und das Koordinationsteam halten regelmäßig Kontakt zum Militär in der Region, zu lokalen und staatlichen Regierungsstellen und zu diplomatischen Vertretungen.

Der Büros des Versöhnungsbundes in Österreich und den USA leisten politische und öffentliche Unterstützungsarbeit und sind für die Entsendung von Freiwilligen zuständig.

Helikopter über dem DorfVor dem HausKolumbien

La Union

La Union ist einer der 11 Weiler, die zur Friedensgemeinde gehören und stellt deren land­wirtschaftliches Zentrum dar. In La Union leben rund 150 Menschen in einfachen Holz­häusern. Der Ort verfügt über Elektrizität, Wasser wird vom nahe gelegenen Fluss in den Ort gepumpt, zum Trinken muss das Wasser erst aufbereitet werden.

Es führt keine Straße nach La Union, der Ort ist nur über einen teils steilen Weg zu Fuß oder mit Mauleseln erreichbar.

In der Nähe von La Union befinden sich auch die Gemeinschaftsfelder der Friedensgemeinde, wo u.a. Kakao, Bananen und viele andere Früchte und Kräuter angebaut werden.

Die Friedensgemeinde bemüht sich, bezüglich der benötigten Lebensmittel autark zu werden, um ihr Wissen um die Artenvielfalt in der Region zu erhalten und um eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zu erreichen.

Das Massaker am 8. Juli 2000: Um drei Uhr morgens stürzten 20 Vermummte in das Dorf, zer­störten das öffentliche Telefon und zerrten die Menschen aus ihren Häusern. Die Ver­mummten zwangen die DorfbewohnerInnen, sich im Zentrum des Weilers zu versammeln und fragten nach den Gemeindeführern. Als die Gemeindemitglieder antworteten, dass sie alle Führungspersonen seien, wählten die Angreifer sechs Dorfbewohner aus und er­mordeten sie.

Die BewohnerInnen von La Union waren und sind wiederholt Opfer von Übergriffen von Seiten der Paramilitärs und der Armee, sie mussten mehrmals ihr Dorf verlassen. Bis 2002 wurden die BewohnerInnen immer wieder von Paramilitärs vertrieben. Seit dem Beginn der Begleitung durch den Versöhnungsbund hat keine gewaltsame Vertreibung der DorfbewohnerInnen mehr stattgefunden.

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