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Friedensgemeinden in Kolumbien

Der IVB-ÖZ engagiert sich seit Anfang 2006 für die Friedensgemeinde San José de Apatadó in Kolumbien.

* Im Februar 2006 besuchte Irmgard Ehrenberger die Gemeinde zusammen mit einer Delegation des FOR USA.
Einen Bericht dazu gibt es HIER.

* Im Frühjahr 2006 enstand die Wanderausstellung "Hasta la última piedra - bis zum letzten Stein",
die inzwischen u.a. schon in Wien, Krems, Salzburg und St. Pölten gezeigt wurde.

* Seit November 2009 unterstützt der IVB - österreichischer Zweig die Friedensgemeinde durch die Entsendung einer Freiwilligen. Ein Erfahrungsbericht: HIER.

* Regelmäßig wird durch den Rundbrief "Wege des Widerstandes" über die derzeitige Situation der Gemeinde informiert. Letzte Ausgabe WEGE DES WIDERSTANDES.

 

Freiwillige gesucht!

Im Moment sind wir auf der Suche einem/einer Freiwilligen
für einen einjährigen Einsatz in der Friedensgemeinde
San José de Apatadó.
Informationen zu den Voraussetzungen und Aufgaben
HIER

 

 

 

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg“
 

Kolumbien ist gekennzeichnet durch das andauernde Bestehen verschiedenster Arten von Gewalt in seiner Geschichte und seinem ununterbrochenen Gewaltzyklus. Hass und Rachegefühle werden von Generation zu Generation weiter gegeben. Die Vorstellungen von Frieden sind sehr zerbrechlich und gegenüber den friedlichen Möglichkeiten herrscht allgemeine Skepsis.

 

Im Gegensatz zu dieser Realität gibt es aber in Kolumbien auch zahlreiche Friedensdörfer und Friedensgemeinden. Indigene, afrokolumbianische und bäuerliche Gemeinschaften haben sich für den gewaltfreien Widerstand zusammengeschlossen, um aus dem Zyklus der Gewalt auszusteigen. Ein friedvolles Zusammenleben und die Weitergabe des Friedens an die nachfolgenden Generationen ist das Ziel dieses alternativen Widerstandes gegen die Gewalt. Die Basis und das Grundverständnis gehen auf Mahatma Gandhi zurück. „Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg“

 

 

Die Friedensgemeinde San José de Apartadó

 

Gründung der Friedensgemeinde: März 1997

EinwohnerInnen der Gemeinde gesamt: 2.800

EinwohnerInnen Friedensgemeinde San José: 1.350

 

 

Die Prinzipien des Friedensdorfes sind:

  • keine Kooperation, und Informationsaustausch mit bewaffneten Konfliktparteien,

  • friedlicher, gewaltfreier Widerstand

  • keine Bewaffneten im Friedensdorf

  • keine Drogen, kein Alkohol

  • gegenseitige Hilfe

  • Transparenz innerhalb der Gemeinschaft

 

 

Die Friedensgemeinden haben durch gewaltfreies Zusammenleben den Begriff Frieden wieder neu entdeckt. Friede bedeutet nun nicht mehr die bloße Abwesenheit des Krieges oder das Schweigen der Waffen. Heute steht Friede für die Verteidigung des Lebens und der Menschenrechte, für den Schutz der Gemeinschaften, Kulturen, Territorien; für die Ausübung von Autonomie und Selbstbestimmung; für die Vertiefung der Demokratie; für die soziale Mitbeteiligung; für die Anerkennung der ethnischen Vielfalt und der Rechte der Völker; für die Entwicklung. Friede wird verstanden als ein gemeinsames Projekt, das von den Bedürfnissen der eigenen Kultur ausgeht.

 

 

Diese Friedensinitiativen haben bedeutende Erfolge vorzuweisen:

  • Erfahrungen mit Friedensprozessen

  • die Rückerlangung und den Schutz ihrer Traditionen, Gemeinschaften und Territorien

  • ihre Praxis der Autonomie und Selbstbestimmung gegenüber dem bewaffneten Konflikt und all seinen AkteurInnen

  • die gemeinschaftliche Ausarbeitung ihrer Lebenspläne und Entwicklungsprojekte ihrer eigenen Gesellschaft

  • den Schutz der Umwelt und der Natur

  • Maßnahmen zur Verhinderung von Vertreibungen

  • die Verminderung der Intensität des bewaffneten Konfliktes in ihren Territorien

  • die gemeinsame Erarbeitung von Plänen, Handbüchern und Strategien des gewaltfreien Widerstandes

  • Gemeinschaftsarbeit
  • höchst partizipative Entscheidungsprozesse

  • nationale und internationale Anerkennung

  • Unterstützung von RepräsentantInnen der internationalen Gemeinschaft, der Kirchen und der nationalen NGO’s

  • die Schaffung einer Kultur des Friedens, der Aufbau von beispielhaften Erfahrungen von Friedenszusammenschlüssen

  • die Verteidigung der Menschenrechte und die Einforderung des humanitären Völkerrechtes.

 

Diese Erfolge sind deshalb von großer Bedeutung, da der neutrale Status der Friedensgemeinen nicht von der Regierung und den Guerilla-Gruppen anerkannt wird.

In Kolumbien existiert eine kleine Elite, die Macht ausübt und die staatlichen Institutionen nie als Instrumente im Dienste aller sieht. Sie verfügt über die Mittel, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, die keine andere Sprache als die der Waffen sehen will.

 

Die Gemeinde San José de Apartadó wird immer wieder, vor allem von paramilitärischen Gruppen, angegriffen. Bis jetzt wurden 150 Mitglieder des Friedensdorfes ermordet, das sind 10% der EinwohnerInnen. Ende Februar 2005 wurden Eduardo Guerra, einer der Mitbegründer des Friedensdorfes, und weitere 7 EinwohnerInnen (darunter 3 Kinder) gefoltert und ermordet.

In den aktuellsten Nachrichten (November 2005) wird davon berichtet, dass das Militär erneut Teile der Friedensgemeinde in San José de Apartadó angegriffen und einen Gemeindevertreter ermordet hat. Explizites Ziel ist die Vertreibung der Gemeinde.

 

Diese gewalttätigen, unmenschlichen, brutalen Vertreibungen sind in ganz Kolumbien gegen die eigene Bevölkerung gerichtet. Das Ziel der Gewalt ist ein offenes Geheimnis:

  • die Sicherung und wirtschaftliche Erschließung einer der geographisch wichtigsten Gegenden des Welthandels und die Durchsetzung einer Freihandelszone von Alaska bis Feuerland

  • Zugang zu Erdöl und anderen Naturressourcen

  • Kontrolle über den Kokainhandel, mit dem global Waffen, Aufstände und Kriege aller Richtungen finanziert werden

  • Konzentration von Landbesitz

 

Internationale NGO’s und Freiwillige nehmen durch ihre Anwesenheit Beobachterrollen ein und bieten Begleitschutz für die Bevölkerung. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg des Friedens in Kolumbien.

Sie verbessern die Menschenrechtslage durch gewaltfreie Kommunikation, und schaffen Bewusstsein in der internationalen Gemeinschaft, wodurch wieder Initiativen für den Frieden in Kolumbien gesetzt werden können.

 

 

 

 

 

 
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