Geschichte

Geschichte des IVB-ÖZ

 

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Anfänge – Gründung vor dem 1. Weltkrieg

Anfang August 1914 verabschiedeten sich der lutheranische Pastor Siegmund Schulze und der englische Quäker Henry Hodgkins am Bahnhof von Köln mit dem Verspechen voneinander, dass sie als Christen keinesfalls gegeneinander kämpfen würden. Sie waren gerade von einer Konferenz in Konstanz gekommen, bei der Christinnen und Christen aus verschiedenen Kirchen nach Wegen suchten, den drohenden Krieg doch noch zu verhindern. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete die Konferenz und zwang die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, in ihre Herkunftsländer zurück zu reisen.

Dieses Versprechen sollte die Geburtsstunde der ersten gewaltlosen ökumenischen Friedensbewegung Europas darstellen, die heute Menschen aller Religionen aus über 40 Ländern weltweit vereint.

Der österreichische Zweig des Versöhnungsbundes wurde 1921 gegründet. Als Bindeglied zwischen Ost- und Westeuropa wurde auch das internationale Büro des Versöhnungsbundes, dessen Leitung Kaspar Mayr innehatte, nach Wien verlegt. Kaspar Mayr entwickelte vor allem die deutsch-polnische Verständigung, eine durch Kriegserfahrung und Nationalismen schwer belastete Arbeit. Das Hitlerregime bereitete diesen Ansätzen ein jähes Ende.

Nachdem der Versöhnungsbund in Österreich während der Zeit des Nationalsozialismus verboten war und die Mitglieder des Versöhnungsbundes wie so wie Millionen andere verfolgt wurden, brauchte es nach Ende des 2. Weltkrieges einige Jahre des Neuaufbaus, bevor der Verein 1953 auch formal wieder konstituiert wurde. Einen wichtigen Beitrag für diesen Wiederaufbau leistete Kaspar Mayr durch die Herausgabe der Zeitschrift „Christ in der Welt“, die im deutschsprachigen Raum zum Sprachrohr der christlichen Friedensbemühungen wurde.

 

 
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Jean Goss und Hildegard Goss-Mayr

Hildegard Goss-Mayr nahm 1953 ihre Arbeit im internationalen Büro des Versöhnungsbundes auf. Gemeinsam mit ihrem Mann, Jean Goss, half sie beim Aufbau gewaltfreier Bewegungen in Lateinamerika, Afrika und Asien. Jean Goss verstarb im Morgengrauen des 3. April 1993, vor einer geplanten Reise nach Madagaskar. Sein radikal gewaltfreies Engagement für Gerechtigkeit, sein kompromissloses Eintreten für die Würde des Menschen und sein Mut zur Wahrheit bleiben Vorbild und Ermutigung.

Es war die Aufgabe der Gründergeneration des Versöhnungsbundes, die Radikalität der Bergpredigt neu zu entdecken und in konkretes politisches und gesellschaftliches Handeln umzusetzen. So sahen und sehen es viele Mitglieder des Versöhnungsbundes als ihre Aufgabe, die Gewaltfreiheit Jesu Christi in ihre jeweiligen Kirchen zu tragen und die Kirchenführungen an ihre Verantwortung für den Weltfrieden zu erinnern.

In Österreich fanden anfänglich nur wenige Katholiken und Katholikinnen ihren Weg in den Versöhnungsbund. Nach seiner Wiedergründung 1953 wurde der Versöhnungsbund vielen Katholiken eine Heimat, die auf Grund der Erfahrungen des 2. Weltkrieges der Lehre des gerechten Krieges nicht mehr folgen wollten und Wege aus der Gewaltspirale suchten. Es ist der beharrlichen Lobbyarbeit von Hildegard Goss-Mayr und Jean Goss zu verdanken, dass nach über 200 Gespächen mit Bischöfen das Problem des Friedens überhaupt beim 2. Vatkianischen Konzil zur Diskussion gestellt und einige wichtige Fortschritte wie etwa in der Frage der Wehrdienstverweigerung erzielt werden konnten.

Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt, die der Ökumenische Rat der Kirchen beschlossen hat, ist nicht zuletzt auf die Arbeit vieler Versöhnungsbund-Mitglieder in ihren Kirchen zurück zu führen. Es war Mahatma Gandhi, der den Begriff Satyagraha – die Kraft der Wahrheit, die Kraft der Liebe – eingeführt hat. Mahatma Gandhi hat es wie kein anderer verstanden, den Glauben an Gott, persönliche Lebensführung und politisches Handeln zu verbinden. Gandhis „Experimente mit der Wahrheit“ haben das Denken und Handeln des Versöhnungsbundes wesentlich beeinflusst. Seinem Lebenswerk ist es zu verdanken, dass weltweit Menschen diese Kraft für sich entdecken und in ihrer Religion und Kultur wiederfinden.

 

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Aufbrüche und Globale Zusammenarbeit

Der Versöhnungsbund hat diese Zeichen der Zeit erkannt und steht heute Menschen aller Religionen und Weltanschauungen offen. Der Internationale Versöhnungsbund hat heute Zweige auf allen Kontinenten. Zu Koordinierung der Arbeit dient das internationale Büro in den Niederlanden. Alle vier Jahre treffen sich Vertreter und Vertreterinnen aller Zweige beim Counil, zum Austausch und zur gemeinsamen Entwicklung von Strategien.

 

IFOR HP

International Fellowship of Reconciliation
in den Niederlanden
http://www.ifor.org