Eilaktion: Mordversuch in der Friedensgemeinde

Januar 24, 2018 |

Gezielter Mordversuch an einem Mitglied der Friedensgemeinde San José de Apartadó/Kolumbien

Fellowship of Reconciliation Peace Presence (FORPP) begleitet mit Unterstützung des österreichischen Versöhnungsbundes seit mehr als 15 Jahren die Friedensgemeinde San José de Apartadó. Unsere Begleiter*innen leben tagein und tagaus gemeinsam mit den Mitgliedern der Gemeinde. Am Freitag, dem 29. Dezember 2017 kam eine Gruppe von fünf mit Schusswaffen und Macheten ausgerüsteten Neo-Paramilitärs zu dem Gebäude, in dem die Friedensgemeinde ihre Kakaogeschäfte abwickelt. Die Paramilitärs versuchten, den Gemeindeführer und gesetzlichen Vertreter der Gemeinde, Germán Graciano Posso, zu ermorden.

Die Friedensgemeinde hatte Informationen bezüglich der geplanten Ermordung erhalten und hatte die Androhung auf ihrer Website bereits eine Woche vor dem Vorfall angeklagt.

Ein Mitglied des internationalen FORPP-Begleitteams erreichte den Schauplatz während der Attacke und war Zeuge des Ringens zwischen den Bewaffneten und Mitgliedern der Gemeinde. Repräsentant*innen einer anderen internationalen Begleitorganisation, Operazione Colomba, waren ebenfalls Zeug*innen des Angriffs. Als Germán Graciano und mehrere andere Gemeindemitglieder mit den Angreifern rangen, fiel ein Schuss. Obwohl niemand getroffen wurde, wurden mehrere Gemeindemitglieder leicht verletzt.

Der Schock dieses Angriffs saß tief in den Knochen der Gemeinde, aber es gelang dennoch, fast alle Mitglieder zu mobilisieren, um die darauffolgende Nacht gemeinsam in Solidarität zu verbringen.

Es ist fast unglaublich, dass unbewaffnete Gemeindemitglieder erfolgreich zwei der fünf Angreifer entwaffnen und in Gewahrsam nehmen konnten, die drei anderen entkamen. Nachdem die zwei Männer dem Gewahrsam der Untersuchungseinheit der Bezirksstaatsanwaltschaft übergeben worden waren, erfuhr die Gemeinde bestürzt, dass beide kurz nach ihrer Inhaftierung aus der Haft entlassen wurden. Falls überhaupt reagiert wurde, ist unklar, welche Maßnahmen das Büro des Bezirksstaatsanwalts ergriffen hat, um dieses Verbrechen zu untersuchen. Innerhalb der nächsten zwei Tage erhielt die Friedensgemeinde eine weitere Drohung: Neo-Paramilitärs in der Region San José schworen, Gemeindeführer*innen erneut anzugreifen.

Der Gouverneur von Antioquia reagierte auf die Attacke mit der Behauptung, dass die Angreifer keine Neo-Paramilitärs, sondern vielmehr Mitglieder der Friedensgemeinde selbst seien. Er beschuldigte die Friedensgemeinde, den Teufel an die Wand zu malen. Trotz der Unmenge an Informationen, die Mitglieder der Friedensgemeinde und internationale Begleiter*innen über die Details des Vorfalls zur Verfügung stellten, nahm der Gouverneur die Berichte des Militärs und der Polizei als Grundlage für seine Anmerkungen. „Da waren keine Paramilitärs“, sagte er, „sondern nur ein paar Kinder…“

Die geringschätzige Reaktion des Gouverneurs fügt sich nahtlos in die Geschichte der kolumbianischen Regierung, die ablehnt, gravierende Menschenrechtsverletzungen gegen Führungspersönlichkeiten der Friedensgemeinde anzuerkennen. Der alarmierende Angriff vom 29. Dezember 2017 steht stellvertretend für die anhaltende gezielte Verfolgung von AktivistInnen und Gemeinschaften, die nach einer gewaltfreien Zukunft streben. Der Anschlag ereignete sich nur Wochen nach der Ermordung von Mario Castaño und Hernán Bedoya, beide Landrechtsverteidiger in der Region Bajo Atrato im Nordwesten Kolumbiens. Laut den Vereinten Nationen wurden allein im Jahr 2017 mehr als hundert Menschenrechtsverteidiger*innen ermordet.

 

Jetzt aktiv werden!

Die internationale Gemeinschaft muss reagieren und die kolumbianische Regierung dringend auffordern, auf die anhaltende Gewalt gegen Menschenrechtsaktivist*innen zu reagieren, insbesondere während der Umsetzung des Friedensabkommens. So wie das Leben von sozialen Führer*innen in Gefahr ist, so ist es auch der Frieden selbst.

Bitte fordern Sie

  • wirksame Schutzmaßnahmen für Germán Graciano Posso und die Friedensgemeinde von San José de Apartadó sowie für alle sozialen Führungspersönlichkeiten und Menschenrechtsverteidiger*innen in ganz Kolumbien.
  • die Anerkennung der gravierenden Bedrohung, die von paramilitärischen Gruppen in San José de Apartadó und in ganz Kolumbien ausgeht, sowie die Umsetzung eines wirkungsvollen Plans zur Auflösung dieser Gruppen.
  • die sorgfältige und vollständige Untersuchung des Angriffs vom 29. Dezember 2017 sowie die Strafverfolgung der Angreifer.

Wir brauchen Ihre Hilfe, um diese schwerwiegenden Angriffe anzuklagen und eine angemessene Reaktion durch die kolumbianische Regierung einzufordern. Bitte schreiben Sie an die kolumbianische Botschaft in Österreich, an die österreichische Botschaft in Kolumbien sowie an die EU-Delegation in Kolumbien.

 

Email an die österreichische Botschafterin in Kolumbien

Kontakt

Mag. Marianne Feldmann: bogota-ob@bmeia.gv.at

Vier einfache Schritte:
Email verfassen/Briefvorschlag übernehmen + E-mail Adresse kopieren + eigenen Namen am Ende einfügen + Senden!

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Email an den kolumbianischen Botschafter in Österreich

Kontakt

Jaime Alberto Cabal Sanclemente, eaustria@cancilleria.gov.co

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Email an die Vertretung der EU in Kolumbien

Kontakt

European Union Delegation to Colombia: Ana Paula Zacarias, delegation-colombia@eeas.europa.eu

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